Carolyn J. Cline, MD, Ph.D.

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Lebensweg

Das Universum hat mir viele Talente geschenkt, für die ich dankbar bin.

Mit 13 Jahren sollte ich entscheiden, ob ich eine Ausbildung zur Konzertpianistin beginnen wollte. Meine Neugier auf die Welt war jedoch zu groß, und ich lehnte ab. Dennoch wurde ich mit 16 Jahren eingeladen, „Rhapsody in Blue“ mit den Boston Pops unter dem strengen Dirigenten Arthur Fiedler aufzuführen. Mit 20 Jahren erlebte ich bei einem Konzert erstmals einen ekstatischen Zustand, in dem ich mit der Musik verschmolz: Es gab nur noch die Musik, und mein „Ich“ war lediglich ihr Ausdrucksmittel.

Am Wellesley College erwarb ich einen Bachelorabschluss mit Auszeichnung in Philosophie und absolvierte medizinische Vorbereitungskurse. An der Harvard University studierte ich Philosophie, Physik und Biologie; an der Washington University in St. Louis promovierte ich in physiologischer und klinischer Psychologie. Kurz darauf gründete ich am Kingsbury Center in Washington, D.C., die erste psychologische Abteilung des Landes für Kinder mit Legasthenie.

Anschließend schloss ich meine Ausbildung an der Washington School of Psychiatry ab und führte mehrere Jahre lang eine psychotherapeutische Privatpraxis in Washington, D.C.

Während eines einmonatigen Retreats, in dem ich über mein Leben nachdachte, wurde mir klar, dass ich Medizin studieren wollte. Aus 5.000 promovierten Bewerberinnen und Bewerbern wurde ich für ein Sonderprogramm mit 30 Teilnehmenden ausgewählt, das den Abschluss des Medizinstudiums an der University of Miami in zwei statt vier Jahren ermöglichte.

Ich war die erste Frau, die in die chirurgische Facharztausbildung an der Stanford University aufgenommen wurde. Darauf folgte eine weitere Facharztausbildung in plastischer und rekonstruktiver Chirurgie mit entsprechender Facharztanerkennung. Dr. Harry Buncke, der Begründer der Mikrochirurgie, wählte mich als erste Fellow für mikrovaskuläre Chirurgie in San Francisco aus.

Ich eröffnete eine Privatpraxis für plastische und rekonstruktive Chirurgie mit den Schwerpunkten Mikrochirurgie, Behandlung von Verbrennungen und wiederherstellende ästhetische Chirurgie.

Über meinen Beruf verfasste ich wissenschaftliche Arbeiten und Artikel für die allgemeine Presse. Einer dieser Artikel führte zu meinem Ausschluss aus der Gesellschaft für plastische und rekonstruktive Chirurgie, nachdem ich Frauen auf die Brutalität bestimmter ästhetischer Eingriffe aufmerksam gemacht hatte. Später wurde ich wieder aufgenommen und schließlich zur Sprecherin der Gesellschaft gewählt. In dieser Zeit trat ich im lokalen und landesweiten Radio und Fernsehen auf.

Während meiner chirurgischen Tätigkeit wurde mir immer stärker bewusst, dass ich mich als Werkzeug des Göttlichen verstand. Ich lernte bei Thich Nhat Hanh im Kloster Plum Village in Südfrankreich, beschäftigte mich bei Mantak Chia mit dem Dao und studierte Chi Nei Tsang bei dessen Schüler Gilles Marin in Oakland, Kalifornien.

Durch meine Freundschaft mit dem damaligen Finanzminister Michael Blumenthal erhielt ich zugleich Einblicke in die politischen Vorgänge in den USA. So begegnete ich gleichzeitig dem Erhabenen und dem Absurden!

Seit meinem „Ruhestand“ widme ich mich als Malerin der abstrakten Kunst. Sie ermöglicht es mir erneut, das Göttliche zum Ausdruck zu bringen – diesmal in lebendigen Farben.

Heute möchte ich vieles von dem, was ich gelernt habe, an die jüngere Generation weitergeben. Besonders wichtig ist mir dabei, das Bewusstsein im Gesundheitswesen zu schärfen. Dieses Anliegen begleitet mich schon seit vielen Jahren.

Das immer häufigere Burnout unter Ärztinnen und Ärzten hat vielfältige Ursachen. Eine davon ist sicherlich die Schwierigkeit, mit den eigenen Grenzen umzugehen. Eine weitere ist die große emotionale Belastung durch die distanzierte Beziehung zu Patientinnen und Patienten, die in der medizinischen Ausbildung vermittelt wird. Meiner Ansicht nach beruht diese Lehre auf einer falschen Annahme: Sie verschließt eine mögliche Quelle eigener emotionaler Stärkung und wird zugleich dem Bedürfnis der Patientinnen und Patienten, gehört zu werden, nicht gerecht.

Ich entwickle ein Lehrprogramm, das medizinischen Fachkräften auf allen Ebenen die eigentliche Bedeutung ihrer heilenden Tätigkeit näherbringen soll. Dabei möchte ich insbesondere Studierende und jüngere Berufstätige ansprechen, die möglicherweise belastbarer und offener für andere Denkmodelle sind. Im Mittelpunkt steht die Verbesserung der menschlichen Begegnung, damit sowohl Behandelnde als auch Behandelte bessere Erfahrungen und Ergebnisse erzielen. Die hierarchische Haltung „Ich bin die Ärztin oder der Arzt, Sie sind die Patientin oder der Patient“ soll einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit für das Wohlbefinden weichen. Für mich entspricht dies der Wirklichkeit dieser Beziehung.

Zu den Zielen gehört es, aufmerksames Zuhören zu vermitteln, verbale und nonverbale Kommunikation mit Patientinnen, Patienten und Angehörigen zu verstehen und die Bedeutung von Mitgefühl mit sich selbst und anderen für Heilung zu erkennen. Dafür kommen sowohl theoretische als auch erfahrungsorientierte Lernformen infrage.

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